Nicht nur Burgenland ist überall, sondern ...
... auch Kabarettist Thomas Stipsits malt fleißig im Karriere-Bilderbuch.
Kabarettist Thomas Stipsits im KURIER-Interview. Der 26-Jährige aus Hackerberg mit familiären Wurzeln in Stinatz, das in seinen Programmen wiederkehrender Bezugspunkt ist, über die neue ORF-Comedy-Serie, sein fünftes Solo-Programm "Bauernschach" und das geforderte Freibad für Stinatz.
KURIER: Wie viel wird die Saisonkarte im Freibad Stinatz kosten, darf man vom Beckenrand springen?
Thomas Stipsits: Man darf alles machen. Ich habe ja gesagt, wenn es wirklich mal ein Freibad in Stinatz geben sollte, dann höre ich auf mit dem Kabarett und werde dort hauptberuflich Bademeister.
Das Burgenland als Mittelpunkt des Universums. Mit der neuen Comedy-Serie "Burgenland ist überall" wird diese Tatsache auch Unwissenden nähergebracht.
Es ist eigentlich eine gefakte Comedy-Doku. Wir bereisen jedes Bundesland und stellen dieses vor - aus Sicht eines Burgenländers. Und suchen dort burgenländische Wurzeln. Jedes Bundesland - bis auf Kärnten, die haben unsere Entwicklungshilfe nicht angenommen - wär' ohne das Burgenland nicht möglich. Aber die Geschichtsbücher verschweigen das. Und es gibt einen Bürgermeister, der alles darstellt - es ist sein Sender, er ist Tourismusobmann und Kirchengemeinderat, ihm gehört der ganze Ort.
Können die Burgenländer gut über sich selber lachen?
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Wenn man über sich selbst lachen kann, dann zeigt das ja auch, dass man Humor hat und nicht alles durch die ernste Brille sieht. Die Burgenländer werden auch nicht schlecht gemacht, im Gegenteil - es ist eine Lobeshymne.
Ausverkaufte Häuser, DVD neben Lady Gaga in den Charts, Aufstieg in die Top-Liga der Kabarettisten. Hat sich Thomas Stipsits verändert?
Nein, überhaupt nicht. Mich hat's aber schon gefreut, als die Gaga angerufen hat. Ich hab' dann gesagt: "Ja, ja, das wird schon, dran bleiben". Vielleicht ist es schwieriger zu verarbeiten, wenn man über Nacht den Erfolg hat. Ich habe vor leeren Häusern begonnen, du machst ja am Anfang wirklich alles. Da waren viele bittere Sachen dabei. Aber da schafft man sich einen soliden Humus, auf dem man wachsen kann.
Kommt mit dem Erfolg der Druck oder wird's leichter?
Natürlich habe ich Druck auch schon gespürt, aber da kann ich mich wieder auf's Burgenland beziehen. Wenn ich hier bin, dann ist er weg. Meine Sachen hab' ich auch immer so geschrieben, dass sie mir gefallen. Bei mir ist auch viel passiert, ich habe das nie so am Plan gehabt. Vielleicht war das ein Glück.
Sind die Reaktionen aus Stinatz durchwegs positiv oder hat's auch schon mal den Sager: "Stipsits, tua net so deppat redn!" gegeben?
Teilweise, mir persönlich hat's noch niemand gesagt. Damit muss ich leben. Ich kann mich dadurch nicht vom Weg abbringen lassen. Oft kommen solche Stimmen aus einer gewissen Unwissenheit, wenn man sich wenig mit dem Thema beschäftigt. Stinatz hat eine eigene Magie, wenn du da einmal drinnen bist, dann kommst nicht mehr raus.
Wie anstrengend ist witzig sein, verlieren Sie Gewicht beim Auftritt?
Nein, mir kommt sogar vor, ich krieg immer mehr. Wenn man wüsste, was funktioniert und was nicht, dann wäre man Kaiser. Wenn's aus dem Bauch kommt, dazu Herz und Hirn, das ist die Dreifaltigkeit der Bühne. Ich bin ein Freund der situationskomischen Wuchtel. Noch schwieriger finde ich, jemanden zum Weinen zu bringen. Das hat bei mir nur Ludwig Hirsch geschafft, da hab' ich einen Weinkrampf bekommen, aber schön war's.
Im Sommer wird es eine Auszeit geben, um das fünfte Solo-Programm fertig zu stellen.
Der Titel ist "Bauernschach" und es spielt im Südburgenland, am Stinatzer Berg. Ein Schachgroßmeister hat hier gewohnt und ist während einer Partie unter mysteriösen Umständen gestorben. Ich kaufe das Haus und spiele die angefangene Partie weiter. Mit jedem Zug verändert sich aber auch die Situation im Dorf.
Gibt es Themenbereiche, die kategorisch ausgeschlossen werden?
Ich würde nie über Behinderte Witze machen. Oder nie einen Menschen, sagen wir, den Lugner, auf der Bühne beleidigen. Das habe ich nicht notwendig. Ich zerreiße mir auch nicht großartig über Innenpolitik den Mund. Ich will ja keine Lösungen anbieten, das finde ich ganz gefährlich, wenn man auf der Bühne erklärt, wie es geht. Denn: Um drei Uhr in der Früh ist jeder Teamchef.
Sie engagieren sich fürs Integrationshaus, wie haben Sie die Asyl-Debatte im Burgenland verfolgt?
Was mich gestört hat, war diese extreme Angstmache, mit dem wird sehr stark gearbeitet. Und das überdeckt jedes andere Argument. Ich denke, dass sich die Mehrheit sehr wenig mit dem Thema beschäftigt hat. Ich glaube auch, dass recht Wenige, die die FPÖ wählen, sich damit beschäftigen, was die Partei eigentlich macht. Auch so viele junge Leute, das verstehe ich nicht.
Humor oder Musik, was lässt Frauenherzen dahinschmelzen?
Die Musik trifft dich viel mehr im Bauch, als ein Text. Es kommt besser, wenn du vor dem Fenster der Angebeteten stehst und singst. Musik kann da schon eine Waffe sein.
Und, schon selber eingesetzt?
Natürlich.

Artikel vom 26.03.2010 09:52 | KURIER | Manfred Imre