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DAS LEBEN WILL GESPIELT SEIN (Kritik, Flachgauer Nachrichten)
Rollenwechsel. Thomas Stipsits servierte in der "Bachschmiede" in Wals mit "Bauernschach" ...
... gehaltvolle Kabarettkost.
Der junge Mann spielt seine Gegner schwindlig. Manchmal auch das Publikum. Mit Worten und erst recht mit verfremdeten Hits. Der steirische Kabarettist Thomas Stipsits absolvierte am Freitag in der Bachschmide in Wals eine groteske, intelligente Partie "Bauernschach" und lud dazu fast die gesamte österreichische Künstler-Elite auf die Bühne.
Weder Wolfgang Ambros noch André Heller mussten jedoch zur Salzburg-Premiere anreisen, Stipsits übernimmt alle Rollen selbst und trifft die Eigenheiten der berühmten Eintertainer in jeder Nuance perferkt.
"Junge Stürmer" näselt "der Falke" wie in seinen besten Jahren von der Bühne, wer braucht das noch "Junge Römer"?
Respekt kennt der Leobener keinen vor den Popgrößen der Gegenwart, das aber auf sympathische Weise. So singt bei Stipsits der "Loisl Gaga" auf, ein bislang unbekannter Bruder von Lady Gaga, dialektfest vom "Bockalfraß" und der Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko.
Den roten Faden des Turbo-Programmes liefert eine angenehm gruselige Geschichte: Die Gerüchteküche in einem kleinen Dorf (das laut Stipsits durchaus Ähnlichkeiten zu Wals-Siezenheim hat) brodelt.
Treffpunkt einer durchgeknallten Zufallsgesellschaft ist ein Haus in Stinatzberg, das einst dem Schachgroßmeister Rachimov gehörte. Dort soll es spucken, seit der Großmeister sein Leben während einer Partie gegen den Teufel verloren hat.
Eine reiche Beute für den 28-jährigen Kabarettisten, der schon mit den österreichischen Kabarettförderpreis ausgezeichnet wurde. Stipsits spielt den Haschisch rauchenden Religionslehrer mit derselben Verve, wie er den schießwütigen Tiroler gibt. Besonders gut gelingt ihm ein deutscher Regisseur, der kläglichen am Österreichischen scheitert.
Grundsätzlich, meint der nimmermüde Alleinunterhalter nach über zwei Stunden Kraft-Kabarett, sei das Leben wie das Schachspiel.
Es existiere "nur wegen der Fehler".
Iris Melcher, Flachgauer Nachrichten
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