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CHARME-SIEGER HEISST THOMAS STIPSITS (Bericht, PNP)

Der da als letzter auf die Bühne kommt, klein und untersetzt, ist das Gegenteil von attraktiv oder sympathisch. Sein Gesicht ist festgefroren wie in einer Winterdepression, die hohe Stirn so regungslos wie jeder Winkel seines ...

... schmalen Mundes. In breitem Mittelfränkisch stellt Matthias Egersdörfer klar, dass man in seiner Familie genau so schaut, „we’ ma sich freid“. Mit dem Gfries wird er zum Höhepunkt eines gelungenen Jubiläumsabends: zum Gewinner des 25. Scharfrichterbeils.

Röthenbach, wo der 38-Jährige herkommt, liegt nahe Nürnberg, aber das Gefälle von der Großstadt zur Provinz verläuft schluchtartig. Autofahren und Parken sind zwei entscheidende Phasen, zwischen denen das Leben dort stattfindet. Darum dreht sich auch die Szene, die der 38-Jährige psychologisch packend und perfekt getimt spielt.
Charme-Sieger heißt Thomas Stipsits

„Ei’parkt“ war er, wusste gar nicht, ob er es noch nach Passau schafft, und denkt sich dann die irrsten Geschichten aus, wer ihn da wohl eingeklemmt hat. Mit der Implosionskraft seiner Figur trifft er den Nerv der Scharfrichter, wird er als „wildgewordener Kleinbürger und ausgeglichener Amokläufer“ zum Beilgewinner 2007 gekürt.

Charme-Sieger heißt Thomas Stipsits.
Wären die aus 75 Bewerbungen ausgewählten Teilnehmer, je drei aus Österreich und Deutschland und durchwegs Männer, nach ihrem komödiantischen Charme beurteilt worden, hieße der Sieger Thomas Stipsits. Doch schon in München musste er Matthias Egersdörfer zurückstehen, der dort mit seinem Programm „Falten und Kleben“ letzten Sonntag den Kabarett-Kaktus gewonnen hat. Der 24-jährige Stipsits aus der Steiermark belegt in Passau Platz zwei. In die skurrile Handlung seines Programms „Griechenland“ hat er liebenswerte Späßchen und viel österreichische Selbstironie eingebaut. Sein Rekrut mit Sprachfehler wird zur großen Lachnummer. Der kann statt „s“ und „sch“ nur „d“ sprechen: „Die Öderreicher haben den Deuden einfach den Dmäh voraus“.

Der Schmäh kommt auch Fredi Jirkal aus Wien zugute, bringt ihm jedoch keinen Preis. Nicht allzu mitreißend wirkt seine Rolle als Postbote, der von seinen Erlebnissen mit seltsamer Kundschaft erzählt, wenngleich er seine Gschichterl originell präsentiert. Gänzlich ohne Schmäh geben sich Christoph & Lollo aus Wien. Sie spielen in ihrem Rock-Kabarett mit Verlegenheit, jedoch ohne überzeugenden Charakter. Das Konzept der beiden ähnelt den letztjährigen Gewinnern „Zärtlichkeiten mit Freunden“ so auffällig, dass sie die Kollegen sogar selbst erwähnen. Doch weder in den unaufgeregten Dialogen noch im musikalischen Witz reicht das österreichische Duo an das sächsische heran. Sie auf Platz drei zu wählen, weil sie große Bühnenpräsenz haben, ist nur deshalb nicht fragwürdig, weil wenig Alternativen bleiben.

Weniger mit nervöser Gestik und aufgeregter Sprechweise gewinnt Tobias Mann aus Mainz die Gunst des Publikums, sondern mit einer witzigen Rap-Fassung von Goethes Faust. Eher abträglich wirkt die bunte Mischung seines Auftritts: ein bisschen Politkabarett mit obligatorischen Figuren, ein bisschen Gitarrenbegleitung, ein bisschen Klavier und erst obendrauf der gelungene Rap. Ebenfalls mit Musik-Kabarett versucht Hannes Ringlstetter aus München sein Glück. Er spielt in den Liedern mit Dialekten, Sprachen und Parodie, kann aber inhaltlich wie musikalisch nicht recht überzeugen. Sein Auftritt an erster Stelle im Wettbewerb bleibt wenig nachhaltig.

Zimmerschied, Asül und Miller im Publikum
Insgesamt verläuft der Jubiläumsabend für Scharfrichter-Verhältnisse ausgesprochen warmherzig. Fürs Publikum, in dem die etablierten Kabarettkollegen Sigi Zimmerschied, Django Asül und Rolf Miller ihre Ehre erweisen, gibt es erst Schoko-Nikoläuse, dann noch einen ehrwürdig echten. Hinter dessen Bart verbirgt sich Rudolf Klaffenböck, der im fistelnden Bischofstonfall ein Wiener Lied und ein auf Passaus Neue Mitte ausgelegtes Nikolausgedicht vorträgt, bevor er die Preisverleihung übernimmt.

Gabriele Blachnik
Passauer Neue Presse


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