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WAHNSINN AUF DÜNNEM EIS (Kritik, Standard)

Wien - 1991 träumten zwei junge Männer von Indien. Zwei Jahrzehnte später ...

... stechen zwei Nachfolger von Triest aus in See.

Parallelen und Bezüge gibt es, abgesehen von Ortsangaben als Titel, zuhauf: Alfred Dorfer und Josef Hader verkörperten in Indien recht konträre Typen, die, zu einer Zwangsgemeinschaft verurteilt, allmählich engste Freunde werden. Was für die beiden das Auto war (Dorfer und Hader sitzen nebeneinander in der Fahrgastzelle und starren auf die Straße), ist für Thomas Stipsits und Manuel Rubey die ziemlich enge Schiffskabine: Sie müssen sich diese aus Platzmangel teilen. Und so sitzen sie, zunächst missmutig, nebeneinander auf dem Doppelbett.

Stipsits/Rubey erweisen Indien, mit dem Hader und Dorfer das Kabarett in Österreich erneuerten, gleich mehrfach ihre Reverenz: Irgendwann wird der klassische Dorfer-Spruch "Danke, ganz lieb" zitiert; und Hader höchstpersönlich spricht gegen Schluss hin einen wichtigen Part aus dem Off.

Triest ist aber, auch wenn erneut die Themen Männerfreundschaft und Krankheit abgehandelt werden, keine Kopie: Vor allem mit den Mitteln des Slapstick und der Pantomime werden Maßstäbe in Bezug auf Tempo, Choreografie und Synchronisation gesetzt.

An Bord des Luxusdampfers Bloody Mary befindet sich neben den Passagieren auch ein Filmteam des ORF, das den Zweiteiler Die letzten Sonnenstrahlen des Glücks mit Christiane Hörbiger, Harald Krassnitzer und Falco-Darsteller Rubey dreht. Und Stipsits, das ewige Talent, hat das Unterhaltungsprogramm zu bestreiten.

Natürlich könnten einem gleich Zweifel aufkommen, weil kein Traumschiff-Verschnitt, sondern ein Kostümschinken produziert wird. Von Stipsits ist man aber absurde Ausgangssituationen gewohnt. Man akzeptiert daher auch diesen Plot, ohne ihn auf seine Plausibilität hin abzuklopfen.

Und man genießt den Wahnsinn, auf den sich Rubey/Stipsits einlassen. Immer wieder stellen sie Fallen - sich selbst und auch dem Publikum. Sie brechen mehrfach Grenzen auf, etwa wenn sie, überfordert von den Tonzuspielungen, zu denen sie agieren, den Techniker anschreien. Ist das Absicht? Oder Improvisation? Gehören die Hänger zur Dramaturgie? Realität und Fiktion vermischen sich gleich auf mehreren Ebenen.

Die Pause stellt einen echten Bruch dar. Nach dieser fällt Triest ein wenig zur - wenngleich großartigen - Nummernrevue ab. Aber die beiden Komiker, die eine Vielzahl von Figuren verkörpern, regen nebenbei auch zum Nachdenken an. Man bewege sich auf dünnem Eis, heißt es einmal. Wenn man Glück hat, bricht man erst sehr spät ein. Stipsits/Rubey ist ein Wurf geglückt. Chapeau! 

Thomas Trenkler/DER STANDARD



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