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ZWEI HIMMELHUNDE IM SHOW-FEGEFEUER (Kritik, APA)

Die erste Zusammenarbeit des Duos wurde im Wiener Stadtsaal bejubelt - ...

... intelligentes und unterhaltsames Cross-over zwischen Komödie und Nummernkabarett. Wenn jemand eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Besonders dann, wenn er mit dem Luxusdampfer "Bloody Mary" von Triest nach Tunesien unterwegs ist, aber Bar, Pool und Sonnendeck leider wegen Filmaufnahmen zum Zweiteiler "Die letzten Sonnenstrahlen des Glücks" gesperrt sind und der versprochene Star der Mitternachtseinlage doch nicht Lukas Resetarits oder Josef Hader heißt, sondern Thomas Schtipschiss oder so ähnlich. Mit genau jenem muss sich jedoch Schauspiel-Jungstar Manuel Rubey eine Mini-Kabine teilen, obwohl ihm doch vertraglich eine mindestens 13 qm große Einzelkabine zugesichert wurde, um sich in aller Ruhe auf seine große Szene als Gegenspieler von "Papst" Harald Krassnitzer vorbereiten zu können. So turbulent beginnt "Triest".

Dass es zweieinhalb Stunden lang ähnlich turbulent bleibt, liegt nicht am hohen Seegang der Kreuzfahrt, sondern an der kreativen Reibungsenergie, die bei der ersten Zusammenarbeit des Kabarettisten Thomas Stipsits ("Bauernschach"u.a.) und des Schauspielers und Musikers Manuel Rubey ("Falco", "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Borgia" u.a.) frei wurde. Anders als bei dem Duo Stermann & Grissemann, das auch in seinem jüngsten Programm "Stermann" seine alte Grundsituation zweier einander in Hassliebe verbundener Bühnenpartner bloß variiert, wirkt ihr Zusammenspiel unverbraucht und frisch, ist von einer kaum enden wollenden Ideenfülle, Spielfreude, Grundsympathie zu- und Neugierde aufeinander getragen. Eigentlich schon zu viel des Guten. Doch die beiden gewinnen rasch die Sympathie des Publikums - und sie halten es mit immer neuen Volten und Wendungen ziemlich auf Trab.

Das Leben ist nicht einfach Schwarz und Weiß - das zeigen Stipsits und Rubey nicht nur durch Wechsel ihrer Bühnenkleidung, die nach Schlusspfiff mit dem klassischen Leiberltausch abgekämpfter Fußballer gekrönt wird. Sie schlüpfen - durch präzise Toneinspielungen unterstützt - in eine Vielzahl von Rollen (wobei dem Kabarettisten Stipsits die größere Routine im abrupten Rollen- Wechsel deutlich anzumerken ist), zeigen zwei Himmelhunde im Show-Fegefeuer und nehmen dabei auch sich selbst auf die Schaufel. Zwischendurch schaffen sie es für Momente, glaubwürdig einfach zwei großgewordene Buben zu sein, die von der Anwesenheit ihrer Mütter im Premierenpublikum deutlich nervöser gemacht werden als von jener der Kritiker.

Vor der Pause erinnert das gemeinsam geschriebene Programm an eine Verwechslungskomödie, die in einer bitterbösen Szene, in der ein Regisseur einen Kleindarsteller quält, ihren Höhepunkt findet. Danach wird "Triest" mehr zum klassischen Nummernprogramm. Ein Parforceritt "40 Filmszenen in vier Minuten" hat darin ebenso Platz wie ein gemeinsamer Song über die Mühen des Aufwachsens im elterlichen Phrasendschungel oder ein "Dracula reloaded"-Teaser. Hier ist "Triest" Feelgood-Kabarett mit Tiefgang, weit weg von kritischem Zeitgeist-Kabarett der Marke "Wir wüssten ja wie's geht, aber die bösen Spießer da draußen sind leider die Mehrheit".

Großer Jubel und viel Applaus bei der gestrigen Premiere im Wiener Stadtsaal. Ein ganzes Jahr werden Thomas Stipsits und Manuel Rubey mit "Triest" und ihrem geheimnisvollen kleinen roten Koffer auf Tournee sein. Es dürfte ein erfolgreiches Jahr werden.

"Triest", von und mit Thomas Stipsits & Manuel Rubey
Regie: Andi Peichl
Stadtsaal, Wien 6, Mariahilfer Straße 81,
Weitere Auftritte: 29.10., 11.11., 1., 2.12., 20 Uhr, Karten: 01 / 909 2244

Von Wolfgang Huber, Wien (APA)


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