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Von Triest aus in den Wahnsinn (Kritik, Kulturfokus)

Von Triest aus stechen Manuel Rubey und Thomas Stipsits auf der „Bloody Mary“ in See ...

... Erstmals stehen sie für ihr Kabarett-Programm „Triest“ (Regie: Andi Peichl) als Duo auf der Bühne und brillieren am 28.10.2011 bei der Premiere im Stadtsaal. Kulturfokus-Redaktrice Margot Fink war dabei.

Zwei, die sich bei den Dreharbeiten zu „Wie man leben soll“ kennen gelernt haben und seitdem „unzertrennlich sind“, wie sie in Interviews sagen, beschließen ein gemeinsames Stück auf die Bühne zu bringen. Am 28.10.2011 ist es soweit. Der Kabarettist Thomas Stipsits und der Schauspieler Manuel Rubey spielen die Premiere ihres ersten gemeinsamen Kabarett-Programms „Triest“. Rubey, ehemaliges Bandmitglied der „Mondscheiner“ und hauptsächlich bekannt aus Filmen wie „Falco“, „Borgia“ und zuletzt aus „Wie man leben soll“, hatte mit Kabarett begonnen. Warum also nicht mit Thomas Stipsits ein Kabarett-Programm auf die Bühne bringen?!

Die Bloody Mary also, ein Luxusdampfer (nach bolivianischen Sicherheitsvorschriften), auf dem „Die letzten Sonnenstrahlen des Glücks“ gedreht werden sollen, mit Christiane Hörbiger und Harald Krassnitzer in den Hauptrollen, und Manuel Rubey, ganz in schwarz, soll auch mit einem Satz Text mitspielen. Thomas Stipsits, ganz in weiß, soll als Kabarettist für Unterhaltung auf dem Schiff sorgen. Soweit, so gut, so klar. Und dann …

… müssen sich die beiden, der Schauspieler und der Kabarettist, eine enge Kabine auf dem Luxusdampfer „Bloody Mary“ teilen. Ob das gut geht? Zuerst sind sie davon nicht sehr angetan, doch mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft. Erinnert an „Indien“ von und mit Josef Hader und Alfred Dorfer.

In diesem Stück geht es aber nicht nur um Männerfreundschaft oder wer die wahren Freunde sind. Es geht auch um künstlerische Eitelkeiten oder um das Lügen für den eigenen Vorteil. Die Frage, die jedoch am wenigsten klar zu beantworten ist, nämlich wo die Grenze zwischen Wahnsinn und Normalität, zwischen Fiktion und Wirklichkeit liegt, kann nur jeder und jede im Publikum für sich beantworten.

In dem zweistündigen Stück lassen sich Stipsits und Rubey auf den Wahnsinn ein, zeigen sich als kongeniale Bühnenpartner. Unglaublich die Szene mit dem exaltierten Regisseur (Stipsits) und Rubey, der den einzigen Satz, den er zu sagen hätte, nämlich „Sie hat den Brief zerrissen von Ricardo“ (Stefanie Werger lässt grüßen) nicht so rüberbringt wie es der Regisseur gerne hätte. Aber nicht nur in dieser Szene zeigt sich, wie gut sie harmonieren, wie sehr die Chemie zwischen den beiden stimmt. Sie wechseln in Sekundenschnelle von einer Figur zur nächsten, und Figuren gibt es viele in dem Programm: u. a. den Reiseleiter, das „Mädchen für alles“ namens Johnny Heilig, den Regisseur oder den Kärntner (Tun ma nid aufbegehren, göl). Bei Stipsits kennt man die Vielzahl an Figuren ja aus seinen Programmen, der schnelle Wechsel zwischen den Figuren funktioniert auch mit Manuel Rubey hervorragend. Das Publikum bekommt großartiges Schauspiel geboten.

Nach der Pause ändert sich alles. Nichts ist so wie es scheint. Triest ist in zwei Teile geteilt. Aus der Komödie wird eine Tragikomödie. Nicht mehr das Schiff mit den zwei Künstlern an Bord dient als Setting, sondern eine Nervenheilanstalt, in der der eine seit einem Jahr lebt und der andere als einziger auf Besucht kommt. Die Veränderung wird schon in der Kleidung sichtbar – Stipsits diesmal ganz in schwarz und Rubey in weiß. Es folgt in diesem Rahmen klassisches Nummernkabarett, wobei Musik eine wichtige Rolle spielt. Von Stipsits kennt man ja schon die Medleys aus dem Austropop-Fundus, dieses Mal glänzen die beiden bei einem gesungenen Dialog über depressive Zeiten im Leben, der aus unterschiedlichen Textzeilen von Austropop-Hits besteht. Der zweite Teil ist schon aufgrund des Settings in der Nervenheilanstalt ernster, ein wenig leiser und stimmt nachdenklich, etwa wenn Rubey sagt, man bewege sich auf dünnem Eis. Wenn man Glück hat, bricht man erst sehr spät ein.

Wie gesagt, nichts ist so wie es scheint. Und am Ende bleibt man zurück mit den Fragen: Wo liegt die Grenze zwischen Wahnsinn und Normalität? Was ist real und was fiktiv?

In zwei Stunden erlebt das Publikum unzählige Wendungen, und sogar Josef Haders Stimme aus dem Off. Mit dem richtigen Timing, in rasantem Tempo spielen Manuel Rubey und Thomas Stipsits eigentümliche, oft überzeichnete Charaktere, zeigen dabei ihre Wandlungsfähigkeit. Sie sind selbstironisch, erweisen ihrer eigenen Bühnen- und auch Filmvergangenheit Referenz, sie spielen 40 Filmzitate in vier Minuten, sie führen singend ein Gespräch über Depressionen, sie sind viele auf der Bühne, sie sind überheblich, exaltiert, locker, lässig, charmant, eitel, traurig, freundschaftlich, lustig, bescheiden, nachdenklich, und noch vieles mehr. Man kann nur den Hut vor den beiden ziehen. Großartige zwei Stunden Unterhaltung, großartige Schauspielkunst. Einfach nur großartig.

Für den Kulturfokus: Margot Fink


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