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HALLERTAUER KLEINKUNSTPREIS FÜR STIPSITS (Bericht, Donaukurier)

"Das war mit ziemlicher Sicherheit der letzte Sieg für Österreich im Juni", ...

... ließ sich Thomas Stipsits die abschließende Pointe an diesem Abend nicht nehmen.

Der 25-jährige Burgenländer hat den 14. Hallertauer Kleinkunstpreis mit einem überwältigenden
Ergebnis von durchschnittlich 8,8 aus zehn möglichen Punkten gewonnen – und damit einen
hochkarätigen Kabarett-Wettbewerb für sich entschieden.

Spät ist es geworden, bis der diesmal eher zurückhaltende Moderator
Django Asül und Wilfried Gerling, Vorstandsvorsitzender des Sponsors
Hallertauer Volksbank, die Preise verteilen konnten. Am Ende waren die
Zuschauer gefragt, um mit der aus Künstlern und Medienvertretern
bestehenden Jury die Qual der Wahl zu treffen. Sie hatten es nicht leicht.
Schließlich warben drei Einzelkünstler und ein Duo auf eindrucksvolle und
hochgradig amüsante Weise um ihre Gunst.

Der Sieger musste als Erster ran. Was normalerweise ein Nachteil ist, war
für Thomas Stipsits kein Problem. Gesegnet mit einem herrlichen Ösi-Slang
eroberte der Nachwuchs-Kabarettist aus Stinatz die Herzen seiner Zuhörer
im Handumdrehen. Das Städtchen Stinatz war bislang nur wenigen
bekannt, allenfalls aus einer Textpassage des STS-Klassikers Fürstenfeld.
Nun wissen es auch alle in der Hallertau: Stinatz hat kein Freibad!
Wo Thomas Stipsits doch so gerne eines hätte.

Seine spitzzüngigen Gags rund um das Kleinstadtleben kam nahe Geisenfeld hervorragend an. Seine
Wandlung in einen österreichischen Unteroffizier mit Sprachfehler verlief ebenso gelungen wie die
Exkursion in ein griechisches Taxi. Am Ende gestand er den Deutschen zwar mehr Gehorsam,
Pflichtbewusstsein und Organisationstalent als den Bewohnern der Alpenrepublik zu. "Aber wir haben
dafür das gewisse Etwas, Taint und Schmäh", mangelte es ihm nicht an Selbstbewusstsein.

Seine Konkurrenz schlief nicht. Nach Stipsits Witzefeuerwerk hatte es der Gelsenkirchener HG Butzko
zwar anfangs nicht leicht, mit seinem hintersinnigen und teilweise bitterbösen Politkabarett zu punkten.
Doch das Eis schmolz schnell und letztlich fand das Publikum den Zugang zu seinen Breitseiten auf die
Bundesregierung und die Politik im Allgemeinen, auf Globalisierung und Weltwirtschaft. Etwa wenn er
den Begriff Abgeordneter als Steigerung aus abgelehnt, abgewiesen, abgeheftet und abgeordnet neu
definierte. Den Verstand bewertete er als jenes Gut, das auf der Welt am gerechtesten verteilt sein
müsse. "Jeder ist überzeugt davon, dass er genug hat", frotzelte er, heimste gewaltigen Applaus und
letztlich den zweiten Platz dafür ein.

Damit verdrängte er Nepo Fitz, den Sohn der großen Lisa Fitz, auf den untersten Podestplatz, obwohl
dieser trotz junger Jahre eine reife und professionelle Darbietung auf die Bühne brachte. Vielleicht war
das Publikum für seine Art des Musikkabaretts den Tick zu reif. Schließlich konzentrierte sich Nepo Fitz
auf das Eindeutschen von American Hip Hop. Er tat das großartig – obwohl er gelegentlich an Michael
Mittermeier erinnerte. Aber die Stimmung der ersten beiden Teilnehmer erreichte er nicht ganz.

Ähnlich erging es den Lästerschwestern, die als Letzte zu Wort kamen und mit einer Mischung aus
prolligem Männergespräch und einer Propagandarede des Fortpflanzungsinstituts "Design a Baby"
aufwarteten. Die Suche nach "Germany’s next Superbaby" läuteten sie durch ein Gespräch zwischen
Samuel Samenzelle und Eileen Eizelle ein. Es war witzig, es war krachert und hintersinnig – aber die
ganz große Stimmung kam am Ende nicht mehr auf, so dass sie sich mit dem vierten Platz zufrieden
geben mussten.


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